Im Massenversandgeschäft wird häufig die günstigste Folientasche gewählt – mit dem Ergebnis, dass Reißer, Feuchtigkeitsschäden und Retourenklagen die eingesparten Cents schnell wieder auffressen. Mehrschichtige Co-Ex-Folienversandtaschen gehen dieses Problem strukturell an: Durch die Coextrusion verschiedener Polymerlagen in einem einzigen Fertigungsschritt entstehen Taschen, die einzelschichtige Standardware in mehreren Kenngrößen übertreffen, ohne dabei das Gewicht oder die Recycelbarkeit zu beeinträchtigen. Dieser Beitrag erklärt den technischen Hintergrund und zeigt, für welche Versandszenarien sich der Umstieg rechnet.
Was bedeutet Co-Extrusion bei Versandverpackungen?
Coextrusion (Co-Ex) bezeichnet ein Folienherstellungsverfahren, bei dem zwei oder mehr Polymerschmelzen gleichzeitig durch eine gemeinsame Düse gepresst werden. Das Ergebnis ist eine Mehrschichtfolie, deren Lagen unlösbar miteinander verbunden sind, ohne Kleber oder Laminierschicht. Typische Schichtkombinationen für Versandtaschen sind LDPE/HDPE/LDPE (drei Lagen) oder LDPE/LLDPE (zwei Lagen), wobei jede Schicht gezielt für eine Eigenschaft optimiert wird.
Die Außenlage aus LDPE sorgt für Flexibilität und Bedruckbarkeit. Die mittlere HDPE-Schicht liefert Steifigkeit und Durchstoßfestigkeit. Die Innenlage aus LDPE oder LLDPE gibt der Tasche die nötige Gleitfähigkeit für automatisierte Befüllprozesse und verhindert, dass die Ware am Material haftet. Das Verhältnis dieser Schichten zueinander bestimmt das mechanische Eigenschaftsprofil der fertigen Tasche.
Technische Vorteile gegenüber Einschichtfolien
Der entscheidende Unterschied zu monolithischen LDPE-Taschen zeigt sich bei praxisrelevanten Belastungsszenarien. Co-Ex-Folienversandtaschen bieten bei gleicher Gesamtstärke eine deutlich höhere Weiterreißfestigkeit (ASTM D1938), da die HDPE-Lage Rissfortpflanzung bremst. Das ist besonders relevant in automatisierten Paketsortieranlagen, wo Taschen unter Zugspannung über Förderbänder und Rutschen laufen.
Weitere messbare Vorteile im Vergleich zu Standardfolienversandtaschen:
- Durchstoßfestigkeit (ASTM D4833): 20–40 % höher bei 60 µm Co-Ex vs. 80 µm Mono-LDPE
- Zugfestigkeit (ISO 527): erhöht durch HDPE-Kern, relevant bei schweren Sendungen > 2 kg
- Feuchtigkeitsbarriere (WVTR): vergleichbar mit Mono-LDPE, kein Nachteil bei Nassversand
- Eigengewicht: bei gleicher Schutzklasse 10–15 % leichter als äquivalente Einschichtfolie
Das geringere Eigengewicht ist für Volumenkunden mit hohem monatlichem Sendungsaufkommen ein direkter Kostenfaktor, da viele Paketdienstleister ab bestimmten Gewichtsschwellen in höhere Tarifklassen wechseln.
Einsatzfelder: Wann lohnt der Umstieg auf Co-Ex?
Co-Ex-Versandtaschen amortisieren sich vor allem dann, wenn eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllt sind:
Hohes Sendungsgewicht: Ab ca. 1,5–2 kg Inhalt überwiegen die mechanischen Vorteile der Mehrschichtfolie klar. Schwere Artikel erzeugen beim Transport stärkere Zugkräfte auf die Taschenwände, Einschichtfolien reißen hier häufiger.
Automatisierte Sortierung: Sendungen, die durch Verteilzentren mit Hochgeschwindigkeits-Sortiertechnik laufen, sind mechanischen Belastungen ausgesetzt, die Standard-LDPE-Taschen an ihre Grenzen bringen.
Premium-Sortiment und Retourenmanagement: Für Modeartikel, Elektronikaccessoires oder andere Produkte mit hoher Retourenquote bieten Co-Ex-Taschen mit doppeltem Selbstklebeverschluss eine robustere Grundlage für Rücksendungen, der Empfänger kann die Tasche neu versiegeln, ohne dass die Folie reißt.
Druckveredelung: Die LDPE-Außenlage von Co-Ex-Taschen nimmt Flexodruckfarben gleichmäßiger auf als raue Mono-Folien. Für Versender mit eigenem Branding auf der Verpackung ergibt sich ein saubereres Druckbild ohne zusätzliche Oberflächenbehandlung.
Die Co-Ex Folienversandtaschen von Filmar Group sind in mehreren Formaten und Wandstärken erhältlich und werden auch in bedruckter Ausführung auf Anfrage produziert, Details zu Mindestbestellmengen und verfügbaren Abmessungen sind direkt beim Hersteller anforderbar.
Recycelbarkeit: Monomaterial trotz Mehrschichtaufbau
Ein verbreitetes Missverständnis: Mehrschichtige Folien gelten oft pauschal als schwerer recycelbar als einschichtige. Bei Co-Ex-Versandtaschen aus reinen Polyethylen-Lagen (PE/PE/PE) trifft das nicht zu. Da alle Schichten zur selben Polymergruppe gehören, ist die Tasche im Sinne der RecyClass-Kriterien als Monomaterial einzustufen und kann im PE-Recyclingstrom verarbeitet werden.
Kritisch wird es erst, wenn Nicht-PE-Schichten (z. B. PA, EVOH, PET) als Barrierelage eingesetzt werden, das ist bei Versandtaschen für Lebensmittel oder Pharmaprodukte gelegentlich der Fall, für Standard-E-Commerce-Versandtaschen aber unüblich. Bei der Ausschreibung empfiehlt sich eine explizite Anforderung an die Recyclierbarkeit nach RecyClass sowie ein entsprechender Nachweis durch den Lieferanten.
Ausschreibungsempfehlung für den Einkauf
Für eine präzise Lieferantenanfrage sollten folgende Parameter definiert sein:
- Schichtaufbau (z. B. LDPE/HDPE/LDPE) und Gesamtstärke in µm
- Innenlichte Maße in mm (Breite × Länge + Lasche)
- Verschlusssystem: einfach / doppelt (für Retouren)
- Bedruckung: ja / nein, Anzahl Farben, Farbsystem
- RecyClass-Zertifizierung: erforderlich / nicht erforderlich
- PCR-Anteil: 0 % / 30 % / 50 %
- Jahresvolumen und gewünschte Lieferlosgröße
Co-Ex-Folienversandtaschen sind keine universelle Aufwertung, sondern eine gezielte Lösung für Versandszenarien mit erhöhten mechanischen Anforderungen, automatisierter Logistik oder Branding-Bedarf. Wer den Materialmehrpreis gegenüber Standardfolie kalkuliert und dabei Retourenkosten, Portogewicht und Druckqualität einbezieht, wird in vielen Fällen eine schnelle Amortisation feststellen – bei unveränderter Recycelbarkeit im PE-Strom.

