Wie Frauen in Führungspositionen beeinflussen können, wie andere sie sehen
Frauen in Führungspositionen sind längst keine Seltenheit mehr – und doch sind sie in den höchsten Unternehmensebenen weiterhin unterrepräsentiert. So liegt ihr Anteil in den DAX-Vorständen aktuell nur bei etwa 13,4 % (Stand 2023). Doch dieser wachsende Einfluss weiblicher Führungskräfte hat weitreichende Folgen: Er verändert nicht nur die Unternehmenskultur, sondern auch die Art und Weise, wie Frauen in Leitungsrollen von Kolleginnen, Kollegen und Kundschaft wahrgenommen werden. Für Frauen, die Führung übernehmen, eröffnet sich damit eine spannende Herausforderung und Chance zugleich: Sie können gezielt steuern, wie andere sie sehen und erleben.
Wie Frauen ihre Führungspräsenz stärken
Körpersprache gezielt einsetzen
Körpersprache ist ein Schlüsselwerkzeug, um als Führungskraft wirksam zu kommunizieren – noch bevor ein Wort gesprochen wird. Eine offene Haltung, klare Gesten und ein sicherer Blick signalisieren Selbstbewusstsein und Kompetenz. Frauen können hier besonders profitieren, wenn sie sich ihrer nonverbalen Wirkung bewusst werden und diese gezielt einsetzen. Studien zeigen, dass weibliche Führungskräfte, die ihre Körpersprache zur Stärkung ihres Charismas nutzen, als durchsetzungsstärker und glaubwürdiger wahrgenommen werden.
Konkrete Tipps sind beispielsweise ein aufrechter Stand, ruhige, kontrollierte Armbewegungen und das bewusste Einnehmen von Raum. Vermeiden Sie negative Signale wie Verschließen der Arme, verkrampfte Mimik oder abgewandten Blick. Stattdessen empfiehlt es sich, mit einem offenen Lächeln und einem festen Händedruck Präsenz zu zeigen.
Kommunikationstechniken für Führungskräfte
Kommunikation ist das Herzstück von Führung – dabei zählt nicht nur, was man sagt, sondern auch wie. Frauen in Führungspositionen profitieren davon, klare, prägnante Botschaften zu formulieren und dabei souverän aufzutreten. Authentizität bleibt dabei der wichtigste Faktor: Ein Führungsstil, der zur eigenen Persönlichkeit passt, wird als glaubwürdiger und motivierender wahrgenommen.
Die Universität Leipzig fand in einer Studie heraus, dass bewusstes Selbstmarketing und aktives Netzwerken die Sichtbarkeit weiblicher Führungskräfte entscheidend verbessern. Das bedeutet auch, eigene Erfolge und Kompetenzen sichtbar zu machen, ohne sich dabei unauthentisch zu fühlen. Aktives Zuhören, gezieltes Fragen stellen und wertschätzendes Feedback schaffen zudem eine positive Gesprächskultur, die das Vertrauen im Team fördert.

Vorurteile erkennen und gezielt entgegenwirken
Typische Stereotype in der Arbeitswelt
Obwohl sich vieles gewandelt hat, sind stereotype Vorstellungen von „weiblicher Führung“ nach wie vor präsent – oft unbewusst. Frauen werden häufig zugeschrieben, weniger durchsetzungsfähig oder fachkundig zu sein als Männer, oder es werden ihnen andere Führungsstile zugetraut. Solche Vorurteile erschweren nicht nur den Aufstieg, sie beeinflussen auch die tägliche Interaktion und Wahrnehmung im Arbeitsumfeld.
Immerhin zeigen aktuelle Studien, dass ein glaubwürdiger, authentischer Führungsstil dabei helfen kann, diese Stereotype zu durchbrechen. So empfinden laut Kienbaum Consultants (2023) 68 % der Beschäftigten authentische Leadership-Stile von Frauen als besonders glaubwürdig und wertschätzend – weit über stereotypische Erwartungen hinaus.
Strategien zur Bewusstseinsbildung
Eine der wirksamsten Strategien, um Vorurteile zu verringern, ist Transparenz und Aufklärung. Unternehmen können durch Workshops, Dialogforen und Diversity-Trainings die Sensibilität gegenüber unbewussten Bias erhöhen und gezielt die Unternehmenskultur öffnen. Führungskräfte aller Geschlechter sollten als Vorbilder agieren und eine wertschätzende Sprache und Haltung aktiv fördern.
Auch Selbstreflexion ist wichtig: Frauen selbst profitieren davon, sich ihrer eigenen inneren Rollenerwartungen bewusst zu werden und gezielt Selbstzweifel durch positives Selbstmarketing zu ersetzen. Durch den offenen Umgang mit Vorurteilen entsteht Raum, diese direkt anzusprechen und konstruktiv zu bearbeiten.
Mentoring als Werkzeug gegen Vorurteile
Mentoring-Programme sind eine bewährte Methode, um Frauen in Führungsrollen zu stärken und ihnen bei der Bewältigung von Vorurteilen zu helfen. Erfahrene Mentorinnen und Mentoren begleiten weibliche Führungskräfte individuell und unterstützen dabei, Strategien zur Sichtbarkeit und Wirkung zu entwickeln. Programme wie das Leadership-Programm „GROWUP“ der Otto Group zeigen exemplarisch, wie Coaching, Mentoring und gezielte Förderung das Selbstbild und Image nachhaltig verbessern können.
Mentoring bietet den Raum, Netzwerke aufzubauen, Erfahrungen auszutauschen und selbst als Role Model für andere Frauen zu wirken – ein entscheidender Faktor für die Überwindung von Rollenerwartungen und die Förderung einer vielfältigen Führungskultur.

Praxis: Erfolgreiche Beispiele von Frauen in Führungsrollen
Inspirierende Karrierewege
Zahlreiche Frauen in Deutschland zeigen, dass Frauen in Führungspositionen sichtbar und erfolgreich sind und mit ihren individuellen Wegen neue Maßstäbe setzen. So verfolgt die Siemens AG mit ihrer Initiative „Authentic Leadership“ genau das Ziel, weibliche Führungskräfte selbstbewusst auftreten zu lassen und die eigene Präsenz zu stärken. Diese Programme fördern die Individualität und helfen Frauen, ihr Potenzial authentisch zu zeigen.
Auch die Allianz SE setzt stark auf Female Role Models – die Kommunikation dieser Vorbilder in der Öffentlichkeit dient nicht nur der Unternehmensmarke, sondern auch der internen Motivation und veränderten Wahrnehmung von Frauen in Führungsrollen.
Checkliste für den Alltag in Führungspositionen
- Persönliches Leadership Image-Statement entwickeln: Definieren Sie, wie Sie wahrgenommen werden möchten und bleiben Sie konsistent.
- Netzwerken aktiv betreiben: Knüpfen und pflegen Sie Kontakte sowohl innerhalb als auch außerhalb Ihres Unternehmens.
- Authentisch bleiben: Bleiben Sie sich selbst treu und setzen Sie bewusst auf die Stärken Ihrer eigenen Persönlichkeit.
- Weiterbildung nutzen: Bilden Sie sich zu Selbstmarketing und Kommunikation kontinuierlich weiter.
- Mentorinnen und Vorbilder suchen: Nutzen Sie das Wissen und die Erfahrung anderer, um Ihr Image zu reflektieren und zu stärken.
Kommunikationsstrategien im Team
Eine offene und wertschätzende Kommunikation im Team schafft Vertrauen und fördert eine klare Führungswahrnehmung. Frauen können hier häufig auf ihre ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit setzen, die oft als empathisch und kooperativ wahrgenommen wird. Es gilt, diese Fähigkeiten bewusst einzusetzen – etwa indem Sie klare Erwartungen formulieren und einen Raum für Feedback bieten.
Zudem können regelmäßige Team-Meetings genutzt werden, um Erfolge sichtbar zu machen und eine positive Feedbackkultur zu etablieren, die das Bild einer kompetenten und authentischen Führungskraft stärkt.
Netzwerkaufbau und -pflege
Netzwerke sind unverzichtbar für die Sichtbarkeit und den Aufbau eines starken beruflichen Images. Sowohl interne Netzwerke im Unternehmen als auch externe Plattformen sind wertvolle Ressourcen. Frauen in Führungspositionen sollten diese bewusst auf- und ausbauen, um ihre Expertise und Erfolge zu kommunizieren und Unterstützung für Herausforderungen zu finden.
Der gezielte Einsatz von Social Media und beruflichen Netzwerken wie LinkedIn gewinnt zudem an Bedeutung, um die persönliche Marke im digitalen Raum zu stärken und sichtbar zu bleiben – eine Entwicklung, die laut aktuellen Trends verstärkt von Frauen genutzt wird.

So beeinflussen Frauen Wahrnehmungen im Unternehmen
Die Präsenz von Frauen in Führungspositionen prägt die Unternehmenskultur maßgeblich. Unternehmen mit einem höheren Anteil weiblicher Führungskräfte weisen laut McKinsey & Company (2023) eine um 21 % bessere Wahrnehmung ihrer Unternehmenskultur in Bezug auf Diversity und Inklusion auf. Diese positive Veränderung wirkt sich direkt auf das Arbeitsklima, die Mitarbeiterzufriedenheit und auch auf die Attraktivität als Arbeitgeber aus.
Frauen gestalten somit nicht „nur“ ihre eigene Karriere, sondern haben gleichzeitig eine transformative Wirkung auf das gesamte Unternehmen. Ihre Art zu führen, ihre Kommunikationsweise und ihr Umgang mit Teamdynamiken setzen neue Standards. Der Fokus auf Authentic Leadership erlaubt es ihnen, die eigene Wahrnehmung proaktiv zu steuern, traditionelle Führungsbilder in Frage zu stellen und Vielfalt als Stärke sichtbar zu machen.
Die Wirkung weiblicher Führungskräfte zeigt sich auch darin, dass sie als Vorbilder und Multiplikatoren fungieren, die andere Frauen und Männer inspirieren, geschlechtergerechte Wege in der Karriereplanung einzuschlagen. So wandelt sich das Bild von Führung nachhaltig – hin zu einem vielfältigen, offenen und inklusiven Leader-Typus.
Für mittelständische Unternehmen ist das eine Einladung, bewusst auf die Stärkung weiblicher Führungskräfte zu setzen, ihre Entwicklung zu fördern und ihre Sichtbarkeit systematisch zu unterstützen. Denn nur wer gesehen wird, kann auch die Wahrnehmung aktiv und positiv gestalten.

